Was macht aus einem kleinen Betrieb einen Excellence-Award-Gewinner? Glückliche Umstände? Talent? Fleiß? Ein genialer Chef?
Kürzlich durfte ich bei dem spannenden Format 12MIN.ME meine Geschichte, meine Story erzählen. Ein Format, das ehrenamtlich regelmäßig veranstaltet wird und unterschiedlichste Menschen zusammen bringt. Das hat Spaß gemacht!
Gern möchte ich auch hier meine Geschichte teilen:
Ich komme aus dem Westharz. Als ich dort aufwuchs, hieß die Region noch Zonenrandgebiet, wirtschaftliches Niemandsland. Was macht man dort brav nach der Schule? Man denkt konservativ. Ich begann ein Studium zur Diplom-Verwaltungswirtin und wurde Beamtin. Ein sicherer Weg. Aber auch Dienst nach Vorschrift. Wenn ich allein an die Bestellung von Druckerpapier denke, ein Drama in zwölf Akten.
Mit Anfang bis Mitte zwanzig lernt man einen Haufen neue Leute kennen. An einem Sommertag am See erzählte mir eine Freundin vom Schindlerhof: Ich bin Tagungsleiterin dort, wir setzen uns eigene Ziele, der Chef bestärkt jeden Tag. Hast du Lust, dabei zu sein? Ja, hatte ich. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl: Arbeit kann völlig anders sein. Der Gedanke hat mich elektrisiert. So etwas kam in meiner Welt bisher nicht vor.
Also warf ich die Beamtenurkunde auf Lebenszeit in den Müll. Meine Familie erklärte mich für verrückt. Mein Nettogehalt halbierte sich fast, kein sicherer Weg mehr bis zum Lebensende, dazu das schlechte Image der Branche: Hotel heißt schuften. Ich hatte Angst, Handlanger eines Chefs mit wechselnder Tagesform zu werden. Im Ohr der Satz: Wer nichts wird, wird Wirt.
Du kennst das bestimmt, wenn eine neue Arbeit mit einem mulmigen Gefühl der Unsicherheit beginnt, wenn du nicht weißt, welche Überraschungen auf dich warten. Ende der Neunziger begann mein erster Arbeitstag im Schindlerhof. Ich merkte sehr schnell: Hier funktioniert etwas völlig anders. Schon das Onboarding hat mich umgehauen. Glasklare Aufgaben, eindeutige Verantwortlichkeiten, wenige Standards, für deren Einhaltung jeder im Team eingestanden hat. Für mich bedeutete das klare Erwartungen, die ich mit Leidenschaft erfüllen konnte. Drei Monate nach meinem Start gewann der Schindlerhof den European Excellence Award. Für mich war das das endgültige Zeichen: Das hier war kein Zufall.
Diese Ergebnisse entstanden, weil Menschen in einer funktionierenden Struktur arbeiteten.
Die meisten Unternehmer glauben: Wenn ich die besseren Mitarbeiter finde, wenn ich selbst noch härter arbeite, wenn ich endlich alles selbst im Griff habe, dann wird alles besser. Ich habe gelernt: Das stimmt nicht. Der Schindlerhof lebt ein Prinzip: erst innen, dann außen. Im Außen kann ich Kunden nur begeistern, wenn es im Inneren funktioniert. Und wenn es im Innern nicht funktioniert, dann zahlst du dafür mit verlorener Zeit, Arbeit, Diskussionen, Frust und Stress bei allen Beteiligten.
Im Schindlerhof ging es weiter, Preis folgte auf Preis. Immer mehr Unternehmer wollten wissen, warum der Schindlerhof so erfolgreich war. Gemeinsam mit Klaus Kobjoll durfte ich jährlich mit Hunderten Unternehmern arbeiten. Und überall begegnete mir dieselbe Erkenntnis: Die Branche war nie das Problem. Die Unternehmensgröße auch nicht. Entscheidend war immer die Struktur. Also wollte ich mit unserer kleinen Seminarfirma zeigen, dass Excellence dank Struktur keine Frage der Größe ist. Mit unserem kleinen Team gewannen wir 2009 den Ludwig-Erhard-Preis, als bis heute kleinstes ausgezeichnetes Unternehmen.
Nach diesem beruflichen Höhepunkt kam Kind eins, Kind zwei. Mein beruflicher Weg hätte genau so weitergehen können. Ich blieb mir selbst treu und entschied mich zum zweiten Mal gegen Sicherheit. Ich machte mich selbständig, gründete WERTarbeit. Seit fünfzehn Jahren begleite ich Teams zum Thema Struktur, wie Führung so aufgebaut wird, dass sie ohne mich, ohne dich, ohne Zufall trägt.
Heute, nach fast drei Jahrzehnten Erfahrung, kann ich die Frage vom Anfang beantworten. Was macht aus einem kleinen Betrieb einen Excellence-Award-Gewinner? Nicht Talent. Nicht Glück. Nicht ein genialer Chef. Sondern eine Struktur, die Menschen erfolgreich macht. Genau deshalb tue ich heute das, was ich tue.
Vielleicht glaubst du heute noch, dein Betrieb braucht vor allem bessere Menschen. Ich wünsche dir, dass du irgendwann denselben Moment erlebst wie ich damals im Schindlerhof.
Den Moment, in dem dir klar wird: Nicht einzelne Personen, nicht glückliche Umstände machen Unternehmen erfolgreich.
Eine Struktur, die trägt, macht Menschen erfolgreich.
Und dann entsteht ein Betrieb, der bereit ist für das, was kommt.
